Ein letztes Mal Winter, bevor der Sommer startet

Die Alpen erstrecken sich über 1.200 Kilometer von der Adria bis zur französischen Mittelmeerküste. Während in den Nordalpen aufgrund des ergiebigen Schneefalls anfangs des Monats noch beste Firnbedingungen herrschen, erreicht das Thermometer in den Tälern der Südalpen bereits die 20 Grad Marke. Der Sommer steht vor der Tür und dieser Wechsel in eine neue Saison ist besonders eindrücklich, wenn er auf so kleinem Raum stattfindet.

In Chamonix, wo die Höhenunterschiede von Tal zu den höchsten Berggipfeln sagenhafte 3.400 Meter betragen, ist dieser Wechsel besonders eindrücklich wahrnehmbar. Allem voran, wenn man im Frühjahr das Vallée Blanche mit Ski abfährt. Der Gletscherkessel, die schroffen Granitzacken, der tiefblaue Himmel, alles Indikatoren für eine ganz besondere Umgebung.

Futuristisch anmutend liegt der Gipfel der Aguille de Midi am Rande des Gletscherbeckens mit seinen Türmen, Brücken und Stahlplattformen auf über 3.800 Metern. Die Stimmung, oben angekommen, ist aufbruchsfreudig. Überall klimpert es und man sieht verschiedene Bergsteiger (bzw. Bahnfahrer) auf einem Bein hüpfend ihre Klettergurte anlegen und sich sortieren. Fast episch duckt man sich aus der Fels- in eine Eishöhle und schliesslich hinaus in das Hochgebirge.

Nun geht es an Tauen ein paar Meter hinab zum Glacier Geant, wo die Abfahrt beginnt. Die gesamte Umgebung spornt an und fordert einen fast auf, erkundet zu werden.

Bizarre Felsformationen, die eher an ferne Gebirgsregionen in Asien erinnern, spielen mit den Wolken und obwohl einige Menschen an diesem schönen Apriltag die selbe Idee zu haben scheinen, finden sich unberührte Abschnitte ohne eine Menschenseele.

Vorbei an diversen Spaltenzonen und Gletscherbrüchen fährt man im moderaten Gefälle zuerst am Gervasutti Couloir und später unter dem Riesenzahn (Dent du Geant) hindurch.

Die Gletscherbrüche wirken nach wie vor massiv und man hört das Eis den Berg hinab schieben, aber bereits hier oben sind die Auswirkungen der Klimaveränderung spürbar.

Spätestens am „Pausestein“, einem Findling inmitten des Eismeeres, bei ein paar Minuten Ruhe und demütigen Genusses hört man die Berge förmlich bröseln. Freilich ist das nichts Neues, ja sogar ein Prozess, der sich jedes Frühjahr wiederholt, trotzdem erscheinen die 20 Grad Temperaturunterschied zum Startpunkt eindrücklich.

Das Vallée Blanche wurde sogar noch angenehmer gestaltet, denn unsere französischen Kollegen haben eine Umlaufgondel zum Mer de Glace hinab gebaut, weil der Höhenunterschied von der Zahnradbahn zu groß geworden war. Full service für alle Besucher und auch Bergsteiger also, die vermutlich zu den letzten zählen werden, die dieses Naturspektakel komplett aus Eis von der Aguille de Midi bis hinab zur Bahnstation genießen dürfen.

Wir haben es in jedem Fall sehr genossen und zumindest unsere Hosentaschen mit Plastik gefüllt, das wir entlang der Abfahrt aufgelesen haben. Irgendwann hat schliesslich jede Veränderung ihren Anfang.

Immer positiv bleiben in diesen Zeiten, schönen Start in den Frühling Euch allen und bis bald in den Bergen, Euer Vivalpin Team