Lawinenunfälle 2026 Recap

Lawinen, wohin das Auge reicht. Blick vom Piz Campagnun 2.825m) nach Nordwesten

Im noch jungen Winter 2026 gibt es bis zum 25.02.2026 bereits 26 Lawinentote in Österreich, davon 14 Tote innerhalb von 10 Tagen. Was ist da los?
Klugscheißer braucht niemand – aber aus fatalen Ereignissen kann man lernen. Oder muss man sogar lernen. Die Lawinensituation im Februar 2026 bietet dafür beste Voraussetzungen. 

Lawinenstufe 3 im Engadin: Anriss des Schneebretts im über 35° steilen, felsdurchsetzten Steilgelände

Die Situation:
Ergiebige Niederschläge mit über 1,5 Metern Neuschnee in wenigen Tagen und stürmisches Wetter mit hohen Windgeschwindigkeiten führten nach einer langen Trockenperiode zu einer äußerst angespannten Lawinensituation. Die Lawinenlageberichte riefen die seltenen Gefahrenstufen 4 und 5 aus. 

Keine Empfehlung: Bei Lawinenstufe 5 bleiben ganze Regionen grau.

Zur Erinnerung:
Lawinenstufe 5 wird in vielen Wintern gar nicht ausgerufen, sie bedeutet viele sehr große und sogar extrem große spontane Lawinen, die Straßen und Siedlungen gefährden können. Oft werden bei dieser Lage Straßen und ganze Skigebiete gesperrt.
Die Gefahrenstufe 4 tritt normalerweise selten und nur an wenigen Tagen im Winter auf. Auch hier sind große, spontane Lawinen möglich. Die Empfehlung hierfür lautet: Bleibe auf den Pisten und im gesicherten Skiraum. Trotzdem sind 10 % der Lawinenopfer bei dieser seltenen Lawinenlage zu beklagen.
Lawinenstufe 3 ist eine kritische Situation, sie tritt während ca. 30% des Winters auf und ist für rund die Hälfte der tödlichen Lawinenunfälle verantwortlich.
Lawinenstufe 2 gilt für etwa die Hälfte des Winters. Hier herrschen allgemein günstige Touren- und Freerideverhälntisse, trotzdem ereignen sich hier ein knappes Drittel der tödlichen Lawinenunfälle.
Lawinenstufe 1 kommt in etwa während 20% des Winters vor und ist verantwortlich für ca. 5% der Todesopfer.

Die Tools zur Beurteilung der Lawinengefahr bzw. des Risikos
Moderne Hilfsmittel wie die mittlerweile harmonisierten Lawinenlageberichte der Alpenländer oder der Skitourenguru sind zuverlässige Planungsinstrumente, mit denen jede:r sein Risiko kalkulieren kann. Denn die Statistik lügt nicht: Aufgrund einer riesigen Datenbasis kannst du deine Tour exakt planen, die lawinengefährdeten Hänge erkennen und (falls gewünscht) die Tour deinem Risikolevel anpassen. Ein Profi Freerider wird von einem anderen Level ausgehen und mehr riskieren als ein Skitourenanfänger – wichtig ist aber zunächst, dass du dir des Risikos bewusst bist, das du eingehen möchtest.

Die aktuelle Lawinenstatistik des SLF mit Gefahrenstufe

Für deine Einschätzung hilft ein Blick in die Unfallstatistik: Überproportional viele Lawinenunfälle finden bei Lawinenstufe 3 statt, die Auslösung der Schneebretter erfolgt in einem über 35° steilen Gelände, meist in den Expositionen Nordwest über Nord bis Ost. Bereits in den 90er Jahren hat deshalb der Schweizer Lawinenexperte Werner Munter eine einfache Verzichtslogik entwickelt: „Meide bei Lawinenstufe 3 steiles Gelände und die im LLB genannten Expositionen, dann wirst du in der Statistik nicht auftauchen…“

Unser Tipp: Seit dem Jahr 2001 verlassen wir uns in der Berg- und Skischule VIVALPIN auf Werner Munters Risikomanagement durch Verzicht. Damit sind wir zwar nicht sicher vor Lawinenunfällen, die Wahrscheinlichkeit eines Lawinenunfalls ist aber äußerst gering und entspricht dem Restrisiko im normalen Alltag.

Quellen und weiterführende Links:
Eidgenössisches Institut für Schnee und Lawinenforschung SLF
Lawinenreport
Lawinenwarndienst Bayern