VIVALPIN Classics

In den meisten Alpenländern wäre das Rimpfischhorn mit einer Gipfelhöhe von 4.199m und seiner charakteristischen Form ein alpinistisches Highlight. Dumm nur, dass es in direkter Nachbarschaft von Matterhorn, Monte Rosa und Weißhorn einen schweren Stand hat.

Das 4199 m hohe Rimpfischhorn mit der Anstiegsroute über den von rechts ansteigenden Grat

Der Gipfel wurde bereits am 09.09.1859 durch die Bergführer Melchior Anderegg und Johannes Zumtaugwald mit ihren englischen Gästen Leslie Stephen und Rober Liveing bestiegen. Auch heute noch zählt der Normalweg von Zermatt zu einer der schönsten und abwechslungsreichsten leichten Hochtouren in der Zermatter Gipfelrunde. Das „leicht“ bezieht sich dabei aber nur auf die reinen technischen Schwierigkeiten im Fels, die den II.-III. Grad nicht übersteigen, die konditionellen Anforderungen mit gut 1.700 Höhenmetern Aufstieg ab dem Berggasthaus Fluhalp kommen da noch dazu.

So schön kann ein „Matratzenlager“ sein. Wer’s nicht glaubt, der besuche die Fluhalp!

Im Schein der Stirnlampen folgt man einem Anfangs noch markierten Steig bis zur Pfulwe, einem 3154m hohen Übergang zur Täschalp. Der Weiterweg über den gleichnamigen 3313m hohen Felsgipfel ist steil und exponiert, aber mit Fixseilen gut versichert.

Laura auf dem Weg zur Pfulwe – das Matterhorn im Rücken

Bis Ende der 90er Jahre betrat man nach dem Abstieg von der Pfulwe und kurz hinter dem Längfluhjoch den gleichnamigen Gletscher, heute kraxelt man noch eine gute Stunde über die abgeschliffenen Felsplatten, bis man den kümmerlichen Gletscherrest erreicht.

Auf den Resten des Längfluhgletschers – den Felsgrat im Blick, über den der Anstieg zum Rimpfischsattel erfolgt

Der von weitem sichtbare Felsgrat, der sich steil zum Rimpfischsattel aufschwingt, entpuppt sich bei näherem Hinsehen als einfach und harmlos (bis auf einen kurzen Felsaufschwung kurz unter der 4000er Marke).

Am Rimpfischsattel trifft man auf die Route von der Täschhütte, ab hier folgt der spannendste Teil des Anstiegs. Nach einem kurzen Schneecouloir traversiert man nach links auf einen Absatz und klettert dann in gutgriffigem Fels meist mit Steigeisen bis zum Vorgipfel. Der schmale Grat zum Gipfelkreuz ist dann das passende Finale zu dieser fantastischen Hochtour.

Die Schlüsselstelle kurz unter dem Vorgipfel im II.-III. Grad

Der Abstieg folgt auf demselben Weg. Wer mag, kann den turmgespickten Nordgrat überklettern oder vom Rimpfischsattel zur Täschhütte oder Täschalp absteigen. Beides sind lohnende Varianten, wenn man denn das ganze Gepäck von der Fluhalp mitnehmen möchte

Der Abstieg wird versüßt durch den stetigen Blick auf Matterhorn und Co.

Und unter uns: der Normalweg zurück zur Fluhalp ist so schön, dass wir ihn gerne ein zweites Mal (im Abstieg) begehen!