Prisojnik Fensterweg

Slowenien ist ein bergbegeistertes Land. Es heißt, jeder Slowene und natürlich auch jede Slowenin müsse einmal im Leben auf dem Triglav gestanden haben. Und wer die Julischen Alpen kennt, der weiß, das ist kein Pappenstiel. Alle Routen sind lang, ausgesetzt und anspruchsvoll. Auf Rang zwei der slowenischen Bucketlist steht der Prisojnik Fensterweg. Den muss man einfach gemacht haben, heißt es.

Der Prisojnik – durch diese Flanke verläuft der Fensterweg

Als wir an einem Samstag  im Oktober um 6.30 am Vršič Pass ankommen, sind fast alle Parkplätze belegt. Der Einstieg ist nicht weit und unterwegs wirst du dann gleich darauf hingewiesen: Der Fensterweg ist kein Klettersteig! Interessant, denn in der Literatur wird die Route als Klettersteig beschrieben, allerdings mit uneinheitlicher Schwierigkeitsbewertung zwischen B und D. Darüber nachzudenken bleibt dir dann aber wenig Zeit, denn bald bist du in dem Slowenischen D-Zug eingereiht, der die ersten Klettersteigpassagen im old-school-style, d.h. ohne die Klettersteigsets einzuhängen, hinaufstürmt. Da könnte man jetzt den Zeigefinger heben, doch nach einiger Zeit relativiert sich das Ganze. Viele Passagen mit leichter Kletterei oder auf super ausgesetzten Steigen sind ohne Sicherungsmöglichkeit und in den senkrechten Leiterpassagen klinken dann auch die Slowenen ein.

Die schattige N-Wand ist ein monumentale Steilflanke. Beim besten Willen lässt sich von weitem keine gangbare Route ausmachen, aber geschickt windet sich der Fensterweg von Band zu Band. Das Gelände bleibt durchgängig steil und ausgesetzt, aber es ist mehr ein Gehen und Steigen als Klettern, so dass du dann doch rasch Höhe gewinnst. Erst nach gut ⅔ der Route kommt das Felsenfenster in Sicht, das der Route den Namen gab. Es hat gigantische Ausmaße und Stifte und Klammern helfen dir dort an der steilsten Stelle.

Senkrechte Passage durch das Fenster

Nach dem Fenster gibt es die Möglichkeit, auf der rückwärtigen Südseite direkt abzusteigen. Das machen viele und das wird auch in vielen Tourenbeschreibungen so empfohlen. Nicht ohne Grund: Denn der Weiterweg zum Gipfel des Prisojnik ist zwar bestens markiert, hat aber ansonsten mit einem Wanderweg nichts gemein. Ausgesetzte Kletterpassagen und luftige Grate wechseln sich ab. Die 300 Höhenmeter vom Felsenfenster bis zum Gipfel ziehen sich wie Kaugummi, lohnen sich aber in jedem Fall, denn der 2.512m hohe Gipfel steht wie eine riesige Burg mitten in den Julischen Alpen und bietet ein unfassbares Panorama vom Triglav bis zum Großglockner und weiter…

Dass eine Bergtour am Gipfel nicht zu Ende ist, merkst du am Prisojnik ganz besonders. Der Abstieg ist auf der Kompass-Karte als gestrichelte Wanderroute eingezeichnet, das ist aber mehr Wunschdenken des Kartographen und hat mir der Realität wenig zu tun. Die Südflanke ist extrem steil und ausgesetzt, einen Weg in dem Sinne gibt es nicht, nur viele Markierungen, denen du entlang kraxelst und balancierst.

Steckbrief Prisojmik,  2.547m
Anspruchsvolle Bergtour

Schwierigkeit: ★ ★ ★
Landschaft: ★ ★ ★ ★ ★
Kondition: ★ ★ ★ ★ ★
Erfahrung: ★ ★ ★ ★ ★ 

Charakter: Klettersteig und Kletterei
Beste Zeit: Juni bis Oktober
Ausgangspunkt: Vršič Pass
Stützpunkt: –
Gipfelhöhe: 2.547m
Höhenmeter: 1.200 Höhenmeter

Der Prisojnik war Ziel der VIVALPIN Explorer Tour 2026 vom 12.09.-04.06.2026